Vermittlung Magazin

WIEN MODERN V

Oskar Serti geht ins Konzert. Warum?

Unter diesem Titel fanden am Wochenende zwei Abende im Konzerthaus statt, die fernab jedes "normalen" Konzertes lagen.

Auf den Spuren der imaginären Figur Oskar Serti wurde das Publikum auf eine knapp sechsstündige Reise geschickt, während der nicht nur Musik, sondern auch Visuelles sowie sogar Essbares geboten wurden.

 

Der Untertitel lautete Eine Nachdenklichkeit in sieben Teilen. Diese waren:

 

I. Am Bahnhof.

Eine kurze akustische Einführung bereitete das Publikum auf den Abend vor.

 

II. Das große Konzert I.

Im Großen Saal wurden vom Klangforum Wien unter Jean Deroyer zwei Werke präsentiert: Georges Asperghis’ SEESAW sowie Foucault’s Pendulum von Vladimir Tarnopolski.

 

III. Oskar Serti geht ins Konzert. Warum? Eine Motivsuche mit den MusikerInnen des Klangforum Wien.

An verschiedenen Orten waren Stationen eingerichtet, an denen jeweils eine kurze Episode aus Oskar Sertis Leben erzählt wurde. Das Publikum war aufgefordert, sich durch das Haus zu bewegen und so eventuell eine Antwort auf die Frage des Abends zu finden.

Teilweise war es schwierig, nicht den Faden zu verlieren, doch im Laufe der Zeit konnte man sich eine Strategie zurechtlegen, dieser Gefahr entgegenzuwirken.

 

IV. Die kleinen Konzerte.

Im Mozart- wie im Schubert-Saal wurden Beat Furrers Spur, Stefano Gervasonis Animato sowie Franco Donatonis Hot gegeben.

 

V. Die Vernissage.

Wieder in verschiedenen Räumen des gesamten Hauses waren "Ausstellungen" zu besichtigen. Parallel dazu gab es auch ein Buffett – wie bei einer richtigen Vernissage. Teilweise waren Bilder zu sehen, teilweise Installationen sowie Musik zu hören. Die MusikerInnen befanden sich während des Spielens in Vitrinen – Oskar Serti erlaubte zwar, auf den Instrumenten seiner Sammlung zu spielen, allerdings mussten diese in den Vitrinen belassen werden.

 

VI. collection serti von Gerald Resch.

Gerald Resch hatte den Erste-Bank-Kompositionsauftrag bekommen, sein Werk wurde im Rahmen der Veranstaltung uraufgeführt. Eine gelungene Raum-Klang-Komposition, bei der die MusikerInnen im Haupfoyer des Konzerthauses verteilt waren und so ein sehr beeindruckendes Hörerlebnis boten.

 

VII. Das große Konzert II.

Mit Bernhard Langs Differenz/Wiederholung 2 wurde der Abend beschlossen. Von den MusikerInnen zweifellos bestens präsentiert, stellte dieses Werk Teile des Publikums vor eine große Herausforderung – nach guten fünf Stunden, die bis dahin vergangen waren, war dieses zweite "große Konzert" für viele schon schwer zu verarbeiten.

 

Der Organisationsaufwand muss enorm gewesen sein, dennoch darf man sich wünschen, dass es solche Projekte auch in Zukunft geben wird. Da das Publikumsinteresse ziemlich groß war, besteht wohl Hoffnung auf Fortsetzung!

 

Sabine Töfferl