Vermittlung Magazin

Katharina Klement im Portrait

PORTRAIT
Barbara Preis

dissertierte in Musikwissenschaft. Ihr Doktorat führte sie auch an die Columbia University in New York City. Sie absolvierte den Lehrgang für Kulturmanagement an der Musikuni Wien. Seit 2008 ist sie Assistentin der Intendanz der Neuen Oper Wien. Seit 2011 ist sie Geschäftsführerin von www.terz.cc

Wie viele MusikerInnen kommt Katharina Klement aus einer musikbegeisterten Familie, in der es selbstverständlich war, dass ein Kind ein Instrument lernt. Zum Klavier, Klements „Hauptinstrument“, kam die Komponistin allerdings über Umwege, denn zuerst lernte die Grazerin Blockflöte, so wie es im Alter von fünf Jahren ihr Wunsch war. Das Tasteninstrument entdeckte Katherina Klement dann bei ihrer Blockflötenlehrerin. Nach ein paar Annäherungsversuchen stand fest, die Flöte musste dem Klavier weichen. Während ihrer Schulzeit wurde der Gedanke Klavier zu studieren immer naheliegender.

 

Die Zeit des Klavierstudiums war allerdings besonders anfangs sehr beschwerlich, da im Zuge der Ausbildung ein vollkommen anderer Zugang an das Instrument gefordert wurde, als ihn Klement gekannt hatte. So empfand sie diese Zeit gewissermaßen als ein „zurück an den Start“ und musste das geliebte Spiel und das Instrument auf Neue erkunden und erobern.  Hinzu kamen Zweifel, ob sie sich für den richtigen Weg entschieden hatte, da Klement auch getanzt und gemalt hatte und der Entschluss, zwei von drei Begabungen für eine zu „opfern“ nicht leicht war. So versuchte Klement auch während des Klavierstudiums ihre bildhauerischen Fähigkeiten weiter zu betreiben, musste jedoch bald feststellen, dass sich die grobe Arbeit der Bildhauerei nicht mit der für das Klavierspiel nötigen Feinmotorik vereinen ließ.

 

 

Doch gänzlich gab Klement ihre Begabungen in anderen Kunstsparten nie auf. Das Materielle der Bildhauerei integrierte sie in ihre Kompositionen, in denen sie sich auf die Wirkung von Räumen auf Klang, oder Klängen verschiedener Materialen, in ihre Kompositionen konzentriert. Bereits die Titel vieler Ihrer Werke lassen auf verwendete Grundbausteine rückschließen. Einige Beispiele dazu sind: Brandung, Beton und Texturen.

Das Werk Textur entsprang der Idee, einen Raum klanglich mit kurzen Anschlägen wieder zu geben.

Sounbeispiel Textur:

 

 

 

Ihr Musikverständnis führte Klement in eine schier endlose Welt von Klängen und deren Adaptionen und Transformationen. Sei es nun „weißes Rauschen“, ein präpariertes Klavier, eine Betonmischmaschine, seien es verschiedene Materialien, Räume, Sensoren, sich bewegende Formen wie Kugeln und unendlich viel mehr. All das zählt zum Rohmaterial, mit dem Klement arbeitet und aus dem Stücke wie Brandung, ein zentrales Werk Klements, entstehen. So bilden die ersten 4 Zeilen der ersten Strophe die Basis für Brandung I (entstanden 1992), während die Stücke Brandung II und Brandung III (komponiert 2011) die Basis durchführen bzw. fortsetzen und damit arbeiten.

Sounbeispiele Brandung I-III:

 

 

 

 

 

 

 

Jede Brandung bezieht sich auf eine Strophe eines Gedichtes von Federico Garía Lorca, die Vertonung bzw. Verarbeitung der 4. Strophe des Gedichtes steht noch aus – die Brandung IV soll diesen Zyklus demnächst beschließen.

 

 

 

 

In Ihren Skizzen zu cows oder Jalousie erkennt man deutlich die Entwicklung von der Ideenfindung hin zum Strukturieren des Kreativen Prozesses, der ein Werk entstehen lässt, bis zum Erlangen des Status jenes Notenmaterials, das die Reproduzierbarkeit gewährleistet.

 

Auch eine Skizze von portrait zeigt deutlich wie genau und differenziert Klements Arbeitsschritte der Verschriftlichung ihrer Musik sind.

 

Während ihres Klavierstudiums stellte sich für Klement immer deutlicher heraus, dass sie nicht Konzertpianistin werden wollte, da sie sich nicht mit diesem Berufsbild identifizierte. Erste Berührungen mit Jazz in Graz stießen sie auf den improvisatorischen Zugang innerhalb einer Struktur und Klement fühlte sich der Improvisation viel näher als der Interpretation von Werken anderer. Mit diesem Wissen landete Klement in Wien und absolvierte hier den "Lehrgang für harmonikale Grundlagenforschung", den "Lehrgang für elektronische und experimentelle Musik" und schließlich das Kompositionsstudium. Diese Ausbildungen hatten von ihr nie verlangt, sich neu in ein anderes System einzufügen, im Gegenteil, nun war sie in ihrem Element gelandet. Ihre Ausbildungszeit in Wien beschreibt Klement als eine durchwegs positive, kreative und offene Zeit, in der sie auch vom Komponisten Dieter Kaufmann immer wieder in ihrer Arbeit unterstützt und ermutigt wurde.

 

Ein Auslandsaufenthalt führte Katharina Klement 1995 ans Music Department der Universität York/GB. Ihren Lebensmittelpunkt sieht Klement jedoch in Wien, da es ihrer Meinung nach eine Stadt ist, in der sie als Komponistin erfolgreich sein kann.

 

Ihre Entscheidung für das Komponieren als Berufsweg wurde vielfach prämiert. Klement erhielt 1994 den Max-Brand-Preis, ein Auslandsstipendium des Bundesministeriums für Unterricht und Kultur, ein Arbeitsstipendium der Stadt Wien, war Gastkünstlerin der Werkstatt Graz, erhielt ein Stipendium der Czibulka-Stiftung, den publicity-Preis des SKE, den Förderungspreis der Stadt Wien, das Staatsstipendium des Bundeskanzleramtes, war composer in residence beim Komponistenforum in Mittersill, erhielt den Viktring Elektronikpreis, "honory mention" beim Prix ars electronica Linz 2006, eine Förderung des Wissenschaftsfonds für das Projekt „Knowledge through Art“ und war composer in residence in Vilnius/Litauen 2011.

Dass das Klavier im Werk von Katharina Klement eine zentrale Rolle spielt, versteht sich von selbst. Viele ihrer Kompositionen führt Klement selbst auf. Um ihre Musik auch selbst produzieren zu können, gründete Sie das eigene Label Kalk.

 

Katharina Klement erhielt Kompositionsaufträge vom ORF, der Jeunesse, der Sammlung Essl Kosterneuburg, vielen Ensembles, dem musikprotokoll Graz und vielen mehr. Eingeladen wurde sie unter anderem zu den Tagen neuer Musik in Zürich, dem Festival WIEN MODERN, roulette New York und dem Festival Inventionen in Berlin.

Katharina Klement ist Lehrbeauftrage für den Lehrgang "Computermusik und Elektronische Medien" an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien.

Ihr aktueller Kompositionsauftrag stammt vom Klangforum Wien. Das Werk soll im August 2012 in der Zacherlfabrik Wien uraufgeführt werden.

 

www.katharinaklement.com

www.zacherfabrik.at

www.klangforum.at