Vermittlung Magazin

Mia Zabelka im Portrait

PORTRAIT
Axel Petri-Preis

studierte Musikerziehung, Germanistik und Musikwissenschaft in Wien. Musikerzieher, Autor von musikwiss. Texten und Einführungstexten und Dramaturg (Neue Oper Wien). Leiter der Musikvermittlung und redaktioneller Leiter von terz.

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„Mein Instrument, die elektrische Violine, die ich mit ausgesuchten Effekten und Spieltechniken erweitere, ist die Basis meiner individuellen Klangsprache“, schreibt die Komponistin und Performerin Mia Zabelka über den Ausgangspunkt ihrer Arbeit und Ursula Strubinsky weist darauf hin, dass „Zabelkas Schaffen von Musik (…) zutiefst mit dem Spiel auf ihrem Instrument (…) und dem spontanen persönlichen Empfinden verbunden [ist]“1. Damit sind die zwei bestimmenden Elemente im Schaffen Mia Zabelkas angesprochen: ihr Instrument, die Violine, und ein weitgehend spontaner, intuitiv-improvisatorischer Zugang zum Komponieren.

 

Mia Zabelka wurde 1963 geboren und studierte zunächst ab 1970 Violine an der heutigen Konservatorium Wien Privatuniversität. 1982 inskribierte sie Publizistik an der Universität Wien, bevor sie 1985 Kontrapunkt bei Kurt Schwertsik, Komposition bei Roman Haubenstock-Ramati, dessen Einfluss auf Ihr Komponieren Sie als wesentlich beschreibt, sowie Elektroakustik bei Dieter Kaufmann studierte. Über die Elektroakustik meint sie 2008 in einem Interview für das mica, sie sei derzeit die zeitgemäßeste und innovativste Form der Musik. Folgerichtig setzt sie in ihren Performances heute zumeist die E-Violine ein, kombiniert mit Live-Elektronik und ausgefeilten Spieltechniken, die Sie seit nunmehr seit fast 25 Jahren weiterentwickelt.

 

 

Im Mittelpunkt des künstlerischen Interesses stehen für Mia Zabelka disziplinen- und spartenübergreifende Projekte. Zuletzt arbeitete sie im Rahmen von M beispielsweise mit der visual performerin Mia Makela zusammen, die sich auf Echtzeit Video Performances spezialisiert hat. Die Ähnlichkeit von Makelas Arbeit mit Zabelkas elektroakustischer Echtzeitkomposition ist frappant, die beiden Kunstformen ergänzen einander und fließen organisch ineinander.

Auch ihre Zusammenarbeit mit der US-amerikanischen Sängerin, Dichterin und Performerin Lydia Lynch ist in diesem Kontext hervorzuheben. Ihr gemeinsames Projekt "Battle scars" beschreiben sie mit folgenden Worten: "A multimedia performance utilizing video, voice and psycho ambient sound experiments as a survival guide to live in the traumazone."2 Zabelka reagiert dabei intuitiv und klanglich kompromisslos auf den intensiven Vortrag der Texte Lynchs.

 

 

Als zentral für Zabelkas Schaffen hat sich die Technik des "automatic playing", angelehnt an das "automatic writing" Elfriede Mayröckers, etabliert. Dabei geht sie von der körperlichen Gestik aus und übersetzt diese durch körperliche Bewegung in Klänge. Diese Herangehensweise ermöglicht ihr einen möglichst freien und intuitiven Zugang zur Improvisation, in der im besten Fall "das Denken total aufhört und wirklich ekstatische Zustände entstehen"3.

Melodien, die sie als junge Geigerin zunehmend als penetrant empfand und die sie dazu bewogen haben, sich weg von der Geigerin zur Klangkünstlerin zu entwickeln4, spielen mittlerweile – freilich in veränderter Form – wieder eine Rolle in Zabelkas Schaffen: "Meine 'Melodiefindungsprozesse' (…) ermöglichen mir vollkommen neue Zugänge zum kompositorischen Arbeiten, wobei ich unter 'Melodien' eher Linien in Raum und Zeit verstehe, als ausschließlich herkömmliches tonales Material im Dur- und Mollsystem. Wesentlich für meine Arbeit bleibt, dass ich niemals meine Radikalität durch Tonalitätsansprüche irritieren lasse."5

 

Stilistisch entzieht sich Mia Zabelka sämtlichen Zuschreibungen, bewegt sich ganz selbstverständlich zwischen U und E, tonal und atonal, komponiert und improvisiert, akustisch und elektronisch. Als gemeinsamer Nenner bleibt jedoch stets ihr Interesse an Körper, Klang und Raum.

 

Zuletzt machte sich Mia Zabelka auch als Kuratorin einen Namen. Von 1995 bis 2000 fungierte sie als künstlerische Leiterin des St. Pöltener Klangturms, 2007 gründete sie das klang.haus in ihrer Wohngemeinde Untergreith in der Südsteiermark, 2009 wurde sie künstlerische Leiterin von phonofemme und 2010/11 war sie schließlich künstlerische Leiterin des internationalen Netzwerks "PHONART – the lost languages of Europe".



  1. http://db.musicaustria.at/node/67878, letzter Aufruf: 14.6.2012.
  2. http://www.miazabelka.com/projects-lydia-lunch, letzter Aufruf: 14.6.2012.
  3. http://www.musicaustria.at/musicaustria/jazz-improvisierte-musik/mica-interview-mia-zabelka, letzter Aufruf: 14.6.2012.
  4. vgl.: http://diepresse.com/home/kultur/klassik/471604/Mia-Zabelka_Melodien-finde-ich-penetrant, letzter Aufruf: 14.6.2012.
  5. http://terz.cc/magazin.php?z=44&id=118, letzter Aufruf: 14.6.2012.